Klima Politik

Fakten zum Klimawandel, die so nicht sein dürfen

Der Originalbeitrag ist als „Schlumpfs Grafik 115“ im Online-Nebelspalter vom 10. Juni 2024 zu lesen.

Es ist eine weitverbreitete Meinung, dass die Zahl von Extremwetter-Ereignissen wie Stürme oder Überschwemmungen wegen dem Klimawandel bereits zugenommen hat, und dass sich dieser Trend verstärken wird. Dabei wird kaum wahrgenommen, dass diese Behauptung sogar vom Weltklimarat (IPCC) in seinem neuesten Bericht zum grössten Teil widerlegt worden ist (siehe hier). Und wer in Übereinstimmung mit dem IPCC darauf hinweist, dass bei Naturkatastrophen kein Trend zu beobachten ist, läuft Gefahr, von alarmistischen Journalisten und Klimawissenschaftlern der Unwahrheit bezichtigt zu werden: im Folgenden zwei Beispiele dafür.

Was wichtig ist:

– Eine wissenschaftlich begutachtete Studie des italienischen Forschers Gianluca Alimonti wurde vom Fachblatt, in dem sie erschienen war, zurückgezogen.
– Die Studie war zum Schluss gekommen, dass sich bis heute keine Klimakrise manifestiere.
– Der Rückzug erfolgte nach einem einseitigen und willkürlichen Verfahren.
– Auch ein Beispiel aus der Schweiz zeigt, wie Klimaaktivisten darüber wachen, dass ihnen unliebsame Fakten aus der Welt geschaffen werden.

Meine erste Geschichte stützt sich ab auf einen Blog-Beitrag des amerikanischen Umweltwissenschaftlers Roger Pielke Jr. (siehe hier). Pielke konnte diesen Beitrag nur schreiben, weil ihm ein Whistleblower aus dem Umfeld des Verlags Springer Nature wichtige Dokumente zu diesem Fall zur Verfügung stellte. Inzwischen sind alle diese Dokumente öffentlich einsehbar (siehe hier).

«The Guardian» eröffnete die Kritik

Im Zentrum dieser Geschichte steht die im Januar 2022 im «The European Physical Journal Plus» (EPJP) veröffentlichte Studie eines Teams um den italienischen Physiker Gianluca Alimonti, in der eine grössere Zahl aktueller Studien zu Trends bei Extremereignissen ausgewertet wurden (siehe hier). Dabei fanden sie keinen klaren Trend bei der Häufigkeit von Extremwettern. Deshalb fassten die Autoren ihre Untersuchungen über Stürme, Überschwemmungen und Dürren in einem Satz zusammen: «Aufgrund von Beobachtungsdaten lässt sich folgern, dass die Klimakrise, die wir nach Meinung vieler Quellen heute erleben, noch nicht evident ist.»

Nachdem die Studie in australischen Medien besprochen worden war, reagierte die englische Zeitschrift «The Guardian» im September 2022 als erste mit heftiger Kritik (siehe hier). Im Artikel kamen vier Wissenschaftler zu Worte, die den Rückzug der Studie forderten, weil sie gegen den Konsens der Klimaexperten verstosse. Kurz darauf schlug auch ein Bericht der grössten europäischen Medienagentur AFP in dieselbe Kerbe. Aufgrund dieser starken Öffentlichkeitskritik sahen sich die Herausgeber der Fachzeitschrift EPJP gezwungen zu reagieren.

Kein Kritiker machte eine schriftliche Eingabe

Nach internen Diskussionen und auch auf Empfehlung des Studienhauptautors Gianluca Alimonti schien sich EPJP darauf zu einigen, von den Wissenschaftlern, die sich im Guardian und bei AFP kritisch geäussert hatten, eine schriftliche Stellungnahme zu verlangen – so wie das bei einer wissenschaftlichen Diskussion üblich ist. Allem Anschein nach ging aber keiner der Angefragten darauf ein, und es geschah vorerst nichts.

Fragwürdiger Einwand gegen die Studie

In der Zwischenzeit hatte sich aber auch der Hauptverlag Springer Nature (siehe hier), bei dem EPJP erscheint, in die Abklärungen eingeschaltet. Denn am 17. November 2022 verlangten EPJP und Springer Nature von Alimontis Team, ein «Erratum» zu schreiben, in dem die «klare Schwäche ihrer Arbeit» korrigiert werden sollte. Unter dieser Schwäche verstand der Verlag, dass die Autoren die Resultate ihrer Studie nur mit den Befunden des IPCC-Berichts AR5 von 2013 abgeglichen hatten, nicht aber mit den Erkenntnissen des neuesten IPCC-Berichts AR6. Dieser neueste Bericht war aber zur Zeit, als die Studie geschrieben wurde, noch gar nicht veröffentlicht!

Ungeachtet dieser ungerechtfertigten Kritik verfassten Alimonti und seine Kollegen ein ausführliches «Addendum», in dem sie – wie vom Verlag inhaltlich gefordert – bei den Themen Überschwemmungen, Starkniederschläge und Dürren ihre damaligen Studienresultate mit denjenigen des inzwischen erschienenen neuen IPCC-Berichts verglichen. Dabei kamen sie zum Schluss, dass es bei den Resultaten bis auf Kleinigkeiten keine Differenzen zwischen diesen beiden Dokumenten gibt.

IPCC: Keine Trends bei Überschwemmungen, Starkregen und Dürren

Diesen Befund kann ich mit der nächsten Grafik aus dem aktuellen Sachstandsbericht AR6 (siehe hier) verifizieren. Die Grafik zeigt einen Auszug der Tabelle, welche die Resultate über Trends von klimatischen Einflusstreibern (Climatic impact driver) zusammenfasst:

Quellen: IPCC AR6 / Martin Schlumpf

Die Einflusstreiber (sprich Extremwetter-Ereignisse) sind in der zweiten Kolonne von links aufgeführt. Alle für die Beurteilung des Alimonti-Addendums entscheidenden Grössen, nämlich Überschwemmungen, Starkregen und zwei Arten von Dürren habe ich mit roten Punkten markiert. In der dritten Kolonne wird gezeigt, welche Trends bei den entsprechenden Treibern bis heute zu beobachten sind: Mit farbigen Zellen wird ausgedrückt, welche Trends es bei mindestens mittlerem Vertrauen gibt, weisse Zellen geben an, dass keine Trends auszumachen sind.

Die Grafik zeigt also, dass die bisher verfügbaren Daten weder bei Überschwemmungen, noch bei Starkregen oder Dürren auf globaler Ebene eine Zunahme dieser Ereignisse anzeigt (überall weisse Zellen). Und sie zeigt ausserdem, dass sogar für die Zukunft bis Ende dieses Jahrhunderts (Kolonnen 4 und 5) keine Trends zu erwarten sind.

Mehrheit der Experten empfahl Veröffentlichung des «Addendums»

Wie abgemacht wurde das Alimonti-«Addenum» anschliessend von vier Fachpersonen begutachtet. Drei davon sprachen sich für eine Veröffentlichung aus, eine war dagegen. Wurden nun – bei dieser offensichtlichen Übereinstimmung von Alimonti und IPCC – die Vorwürfe von aussen gegen die Studie vom Verlag zurückgewiesen? Mitnichten. Es wurde noch eine fünfte Expertise von einem sogenannten «Adjucator» eingeholt. Dieser empfahl, das «Addendum» nicht zu veröffentlichen und die ursprüngliche Arbeit zurückzuweisen (dazu war er allerdings gar nicht befragt worden).

Acht Monate nach Eröffnung des Verfahrens wurde dieses am 13. Juli 2023 mit einer internen Mail damit abgeschlossen, dass allen Empfehlungen dieses Adjucators stattgegeben wurden, mit der Begründung, dass er ein «führender Experte auf diesem Gebiet» sei. Die Zeitschrift EPJP zusammen mit Springer Nature verfügten also, dass das «Addendum» nicht publiziert wurde und dass auch der Originalartikel zurückgezogen werden musste.

Kommentar in der NZZ: Keine Trends bei Extremereignissen

Am 23. August erschien dann im EPJP ein Vermerk über den Rückzug (Retraction Note, siehe hier), in dem gesagt wird, dass Bedenken gegen die Studie erhoben worden sind (concerns were raised), die zu diesem Rückzug geführt haben. Es ist aber wohl einmalig, dass gegen eine durch Peer Review begutachtete Studie überhaupt ein solcher Prozess angestrengt wurde – ganz abgesehen davon, dass das Verfahren einseitig und willkürlich war.

Wie meine zweite Geschichte zeigt, gibt es aber auch in der Schweiz solche «Wahrheitswächter» für die Klimakrise. Ein Kollege von mir, der Journalist Markus Schär, hat am 9. Oktober 2023 in der NZZ einen Artikel unter dem Titel «Das Schweizer Fernsehen schürt seit 35 Jahren Klimapanik» veröffentlicht (siehe hier). In diesem Artikel erläutert Schär seine Recherchen zur Geschichte der Schweizer Klimapolitik, die er in einer Masterarbeit an der Universität Zürich zusammengefasst hatte.

Vor den Presserat gezerrt

Mitten im Artikel steht der Satz «Die Wissenschaft sieht noch heute keine Trends zu mehr Extremereignissen.» – eine Aussage ganz im Einklang mit der oben gezeigten Grafik. Wegen diesem Satz reichte Damian Birchler beim Schweizer Presserat eine Beschwerde gegen die NZZ ein, weil Ziffer 3 der «Erklärung» verletzt sei. Das würde bedeuten, dass Schär in seinem Artikel «wichtige Elemente von Informationen unterschlagen oder Tatsachen entstellt habe.»

Zur Untermauerung zitierte Birchler höchst selektiv aus der «Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger» des IPCC (Summary for Policymakers, siehe hier). Diese Zusammenfassung, bei dessen Abfassung Politiker mitreden, hat aber wissenschaftlich nicht das gleiche Gewicht wie der Grundlagenbericht, aus dem die gezeigte Tabelle stammt. Und mühsam für den Angegriffenen Markus Schär: Bis heute (acht Monate später) hat der Presserat noch keine Entscheidung gefällt.

Die zwei Geschichten zeigen, dass Klimaaktivisten offenbar sehr aufmerksam darüber wachen, ob ihre alarmistische Haltung durch wissenschaftliche Fakten gestört werden könnte. Ist das der Fall, protestieren sie laut und versuchen mit allen Mitteln, diese Fakten aus der Welt zu schaffen.

3 Kommentare zu “Fakten zum Klimawandel, die so nicht sein dürfen

  1. Beat Flückiger

    Erschreckend, wie da manipuliert und Druck gemacht wird. Die breite Öffentlichkeit bekommt von diesen Machenschaften gar nichts mit; auch ich hätte ohne die Lektüre Ihrer Publikationen wohl kaum eine Ahnung von diesen verwerflichen Ränkespielen zur Unterdrückung anderer (unliebsamer) Meinungen.
    Besten Dank Herr Schlumpf, für Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit!

  2. Hans Koller

    Bei den Klima-Wissenschafts-Aktivisten geht’s ja ganz klar um die Wurst.
    Würde die Allgemeinheit die Angst vor „menschengemachtem Klimawandel“ verlieren, gäbe es keine Forschungsgelder mehr, dafür arbeitslose Klima-Wissenschafts-Aktivisten ….

  3. warun gibt man eigentlich solchen lätzgfädärätä Typen wie damian Birchler nicht mal Klassentätsch, wie wir das füher in der Schule gemacht haben, wenn einer sich trotz „Warnung“ nicht einkriegen wollte….
    …..es kann doch nicht sein, dass dieser falsche Hund ohne Konsequenzen frei herumlaufen darf!!
    …..ich gebe ihm einen Abrieb, bitte melden….
    jürg Thurnheer

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