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Kernkraftwerke töten nicht öfter als Solarpanels

Ist die Atomkraft eine besonders gefährliche Energieform? Zahlen belegen das Gegenteil: Was die Zahl der Todesopfer angeht, schneiden AKW nicht schlechter ab als Wasserkraft und erneuerbare Energie.

Originalbeitrag «Schlumpfs Grafik, Folge 25» im Online-Nebelspalter vom 20. Dezember 2021.

Die zwei grossen Nuklearkatastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) haben die Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie in eine fatale Richtung gedrängt: Das Gefühl der Angst, speziell geschürt durch aufgebauschte Katastrophenmeldungen, beherrschte die Diskussion und führte zu teilweise panischen Reaktionen, die keiner sachlichen Reflexion standhalten.

Mit zehnjähriger Distanz zu Fukushima können wir aber heute die Frage «Wie sicher und sauber sind unsere Kernkraftwerke?» nüchterner betrachten. Machen wir das zuerst auf globaler Ebene, und da sozusagen mit der härtesten Währung: Der Statistik über die Zahl der Todesfälle, die von den verschiedenen Strom-Energieträgern verursacht werden. Dabei kann man drei Bereiche unterscheiden: Todesopfer wegen Luftverschmutzung, wegen Unfällen und wegen Folgen der Klimaerwärmung.

Welche Stromquellen verursachen am meisten Todesopfer?

Auf der von mir hier auch schon verwendeten wissenschaftlich unabhängigen Webseite «Our World in Data» habe ich dazu die beste Zusammenstellung gefunden (siehe hier):

(Click auf Grafik vergrössert diese) Für die wichtigsten Arten der Stromerzeugung, von Kohle bis Solar, zeigt die Grafik auf der linken Seite die Zahl der Todesopfer wegen Luftverschmutzung und Unfällen, und auf der rechten Seite die Zahl der ausgestossenen Tonnen Treibhausgase – immer genormt nach einer bestimmten Menge Strom, und immer auf Lebenszyklus-Analysen basierend: Also inklusive Abbau und Transport der Rohmaterialien, Bau und Betrieb der Anlagen und Abbau derselben.

Atomstrom in der gleichen Klasse wie Erneuerbare

Ich hätte diese beiden Grafiken gerne in eine zusammengefasst, bei der auch die Klimaschäden aus der Treibhausgas-Belastung in Todesfälle umgerechnet worden wären. Dies hat der Autor der Webseite «Tech for Future» in einem seiner Beiträge gemacht (siehe hier). Dabei hat er sich auf eine neue Studie abgestützt, die einen solchen Umrechnungsfaktor angibt. Im Detail sind aber zu viele Fragen offen geblieben, sodass ich meine bereits vorbereitete Grafik wieder verworfen habe.

Die hier verwendete Grafik zeigt aber eindrücklich, wie die drei fossilen Träger im Gesamtbild um mehrere Grössenordnungen schlechter abschneiden, als die Erneuerbaren und die Kernenergie. Gemäss dem Titel der Grafik sind also Wasser, Kernenergie, Wind und Solar die sichersten und saubersten Stromquellen. Gut lässt sich zudem herauslesen, wie sehr sich Erdgas unter den Fossilen vor allem von der Kohle positiv absetzt.

Kohle und Öl um mehrere Grössenordnungen schlimmer

Betrachtet man nur die Opferzahlen durch Luftverschmutzung und Unfälle (links) fällt eine gewaltige Differenz zwischen Kohle und Öl einerseits und Nuklearenergie und Erneuerbare andrerseits auf. Die dort gezeigten abstrakten Zahlen kann man sich folgendermassen vergegenwärtigen: In einer Stadt der Grössenordnung von Basel würden jedes Jahr wegen Kohlekraftwerken 25 Menschen zusätzlich sterben, wegen Gas wären es 3 Menschen, wegen Kernkraftwerken aber würde es 14 Jahre und wegen Solaranlagen sogar 50 Jahre dauern bis ein Mensch sterben würde.

Weil wir hier aber die Bedeutung von Tschernobyl und Fukushima in der Sicherheitsdiskussion über Kernenergie richtig einordnen wollen, müssen wir nun wissen, wie die aus der Grafik abzulesende Zahl von 0,07 Todesfällen durch Nuklearstrom zustande gekommen ist. «Our World in Data» hat für Tschernobyl einen Bericht der Weltgesundheits-Organisation (WHO) von 2005/06 verwendet, der von 4000 Toten ausgeht. Bei Fukushima rechnen sie mit 574 Todesfällen, und schliesslich kommt noch ein Teil dazu, der die Folgen des Uranbergbaus berücksichtigt.

Nuklearstrom ist am sichersten und saubersten

Diese Zahlen sind aber viel zu hoch. Denn im Falle von Tschernobyl kommt die bisher grösste, vom UNO-Spezialgremium UNSCEAR verfasste neuere Studie zu viel kleineren Zahlen. Und wenn man berücksichtigt, dass ein Unfallhergang wie in Tschernobyl bei uns nie hätte stattfinden können, und dass es in Fukushima keine direkt strahlenverursachten Todesopfer gibt, müsste der Wert bei etwa 0.02 liegen – gleich hoch wie bei Wasser und Solar. Und wenn man dann auch noch die Treibhausgas-Belastung (rechte Grafik) dazurechnet, schneidet die Atomenergie sogar am besten ab – vor Wind und Solar und Wasser.

Sind unsere AKW «Schrottreaktoren»?

Zusätzlich gibt es berechtigte Zweifel an der sehr niedrigen Zahl der Toten wegen Solaranlagen. Da der weitaus grösste Teil dieser Panels in China hergestellt wird, wo man über die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsvorschriften praktisch nichts weiss, dürfte ein realistischer Wert für Solar ziemlich sicher deutlich über 0,02 zu stehen kommen.

Diese Qualifizierung verträgt sich nun aber schlecht mit der Klage vieler Umweltbesorgter, unsere Atomkraftwerke seine veraltete «Schrottreaktoren», die ständig Pannen hätten, und deshalb so rasch wie möglich abzuschalten seien. Schauen wir uns dazu das aktuellste Beispiel an: Was geschah im Kernkraftwerk Leibstadt während der letzten Abschaltung, die am 4. Dezember dieses Jahres – einige Wochen später als geplant – zu Ende ging?

Unsere Kernkraftwerke werden ständig nachgerüstet

Bei den folgenden Informationen stütze ich mich weitgehend auf Informationen von Johannis Nöggerath ab, ehemaliger Präsident der Schweizerischen Gesellschaft der Kernfachleute, SGK. Grundsätzlich bemühen sich die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke durch ständiges Nachrüsten, ihre Anlagen auf einem quasi-aktuellen Stand der heutigen Kraftwerkstechnik zu halten.

Zu diesem Zweck wurde in Leibstadt in den vergangenen Monaten zwei Grossprojekte realisiert. Erstens wurde das Reaktorwasser-Umwälzsystem des Reaktordruckbehälters vollständig erneuert, was betriebliche Vorteile, aber auch Verbesserungen bei der Sicherheit bringt. Und zweitens wurde der Kondensator unterhalb der Turbine komplett mit über 50’000 eingeschweissten Rohren neu bestückt, und konstruktiv teilweise verbessert.

Leistungssteigerung dank zwei Grossprojekten

Damit ist das Kraftwerk nun imstande, seine elektrische Leistung auf nahezu 1’300 Megawatt zu erhöhen, und damit eine zuverlässige Stromproduktion vor allem auch im Winter zu gewährleisten, die 15 Prozent unseres Gesamtstromverbrauchs abdeckt, was der Versorgung von 1,3 Millionen Menschen entspricht.

Der Grund, warum die Realisierung dieser beiden Grossprojekte mehrere Wochen mehr in Anspruch nahm, liegt bei den ausserordentlichen Corona-Bedingungen, die zu erfüllen waren. Dass es überhaupt gelungen ist, mit weit über 1000 beteiligten Personen und kompromisslos eingehaltenen Hygieneregeln die Projekte ohne Krankheitsausbrüche erfolgreich abzuschliessen, verdient Respekt.

Kontrolle durch internationale Expertenteams

Aber nicht nur technisch-betrieblich sollen die Schweizer Kernkraftwerke auf bestem Stand bleiben, sondern auch, was die Sicherheitskultur betrifft. Um diese auf hohem Niveau halten zu können, werden neben der direkten Alltagsaufsicht durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) alle paar Jahre High End-Expertenteams aus verschiedenen Ländern zusammengestellt, die sich über einen Zeitraum von etwa drei Wochen den verschiedenen Betriebs- und Sicherheitsthemen einer Anlage widmen.

Solche Überprüfungsmassnahmen werden durch zwei verschiedene Organisationen beauftragt. Einerseits durch den Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber (Wano) und andrerseits durch die Internationale Atomenergie Organisation (IAEA). Damit wird sichergestellt, dass notwendige Verbesserungspunkte identifiziert und Massnahmen gefordert werden, deren Umsetzung bei einem späteren Besuch überprüft wird.

Atomkraft versus Fotovoltaik

In der Schweiz sollen Atomkraftwerke durch Fotovoltaik-Anlagen ersetzt werden. Daraus ergeben sich zahlreiche Probleme für die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit beim Strom – insbesondere im Winter. Um nicht in einen Blackout zu laufen, müssen die Vor- und Nachteile von Atom und Solar gegeneinander abgewogen werden. Martin Schlumpf geht in einer Reihe von Beiträgen zentralen Aspekten von Atomstrom nach, wie Speicherung, Sicherheit, Strahlung, Abfälle und Kosten – und illustriert diese wie immer mit einer einschlägigen Grafik.

Atom 1 Atomkraft ist zuverlässiger als Sonnenenergie

Atom 2 Solarstrom vergrössert die Winterstromlücke um das Dreifache

Atom 3 Solarstrom bedeutet Ressourcenverschleiss

Atom 4 In Uran steckt gewaltig viel Energie

10 Kommentare zu “Kernkraftwerke töten nicht öfter als Solarpanels

  1. Martin Schlumpf

    Sie sollten besser rechnen, Herr Rehsche: Die von Ihnen erwähnten Quellen, die nicht einfach Mutmassungen in den Raum stellen (wer auf solches hört, diskreditiert sich selber), kommen bei Tschernobyl auf 46 Todesopfer. Damit kommen Sie genau in den Bereich, den ich mit 0,02 Todesopfern angegeben habe, wo – sogar ohne Berücksichtigung der Probleme der PV-Herstellung in China – die Kernenergie mit der Solarenergie quitt ist. Respektive unter Berücksichtigung der CO2-Belastung besser dasteht. Lesen Sie einfach meinen Artikel nochmals.
    Und vor allem sollten Sie Walter Rüeggs Kommentare lesen, in denen er meinen Satz, dass Tschernobyl bei uns gar nicht möglich ist, faktenreich untermauert.

    • Guntram Rehsche

      Lesen Sie einfach die angegebenen Quellen nochmals und ziehen doch bitte all die indirekten Todesopfer aufgrund von Langzeitstrahlenfolgen mit ein (die ja im Falle der Atombombenabwürfe in Japan völlig unbestritten sind). Und siehe da: die Anzahl der Todesfälle, resultierend aus Tschernobyl, ist plötzlich ein x-faches dieser unmittelbaren Todesfallzahlen. Wer beispielsweise bei einer Brandkatastrophe erst nach Wochen oder Monaten aufgrund der Brandwunden stirbt, es eben doch auch ein Todesfall aufgrund der Brandkatastrophe. Krebstote aufgrund der Strahlenbelastung in Tschernobyl sind entsprechend Tote aufgrund der Atomkatasstrophe. Es ist schon seltsam, wie solche Offensichtlichkeiten einfach übergangen werden – warum wohl?

      • Martin Schlumpf

        Ganz einfach und zuerst: Halten Sie einen Atomunfall wie in Tschernobyl bei uns für möglich?
        Und bei jeder sinnvollen Diskussion über Todesfälle zählt man Todesfälle und nicht potenzielle (von Ihrer Fantasie vielleicht gewünschte) Fälle.
        Und offenbar verstehen Sie den fundamentalen Unterschied zwischen einem Kernkraftwerksunfall und einer Atombombenexplosion nicht.

      • Walter Rüegg

        Richtig, Herr Rehsche, die Langzeitfolgen nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Japan sind unbestritten. Aber:
        1. Die Dosen der Bevölkerung waren SEHR viel höher als in Fukushima oder Tschernobyl
        2. Trotzdem sind die Todeszahlen (im Alter “vorzeitig” verstorbene) relativ klein, insgesamt bis heute um die 1000 (von 54’000 bestrahlten Überlebenden). Es ist auch wissenschaftlich unbestritten, dass der Lebenswandel der Überlebenden (Rauchen, Ernährung, Bewegung…) einen grösseren Einfluss auf die Todesrate/Lebensdauer hat als die Bestrahlung. Interessant: eine Verkürzung der Lebensdauer sieht man erst ab etwa 1 Sv (eine Horrordosis).
        Die Dosen welche auf die Millionen Einwohner um Tschernobyl oder Fukushima herum einwirkten sind sehr viel kleiner als die natürlichen Strahlendosen, man kann sie ruhig vergessen.

  2. Walter Rüegg

    Noch ein Kommentar betreffend Folgen eines Fukushima-artigen Unfalls in Beznau:

    Wenn bei einer Nuklear-Katastrophe sämtliche Barrieren hintereinander versagen (vor allem auch das massive Stahlbeton-Containment), kann es zu einer grösseren Abgabe von Radioaktivität in die Umgebung kommen. Wie würde sich eine «Fukushima»-Katastrophe am Standort Beznau auswirken? Wird die Bevölkerung nicht evakuiert, müsste man im verstrahlten Gebiet, pessimistisch gerechnet, in den nachfolgenden 100 Jahren mit insgesamt rund 1000 Todesopfer rechnen. Die meisten davon durch ein leichtes Ansteigen (einige %) der Krebsrate im Alter. Allerdings wird man einen solchen Anstieg statistisch kaum nachweisen können, er geht in den natürlichen Schwankungen der Krebsrate unter.
    Im Schnitt sind dies 10 Todesopfer pro Jahr. Jeder Todesfall ist einer genau einer zu viel, doch es gilt die Relationen zu wahren. Denn:

    1. Dieses Risiko ist sehr hypothetisch. Es muss erstens ein Megaereignis stattfinden, z.B. ein gewaltiges Erdbeben oder eine noch nie dagewesene Überschwemmung, und zweitens müssen nacheinander sämtliche Sicherheitsbarrieren und Katastrophenmassnahmen versagen. Alles in allem extrem unwahrscheinlich. Absolut sicher ist hingegen, dass bei einem solchen Mega-Ereignis grössere Teile der Schweiz zerstört wären, mit 4- bis 5-stelligen Todeszahlen. Sind wir darauf vorbereitet?
    2. Die Folgen (10 Todesfälle pro Jahr bei einer Verstrahlung wie in Fukushima) wären vergleichsweise winzig gegenüber den alltäglichen, “todsicheren” Risiken in unserem Land, z.B.: 

    – 2000 Todesfälle/Jahr wegen Luftverschmutzung
    – 2500 Todesfälle/Jahr auf Grund vermeidbarer Fehler in Spitäler
    – 3900 Todesfälle/Jahr auf Grund von Unfällen und Gewalteinwirkungen

    Konzentrieren wir uns bitte zuerst auf die grossen, real existieren Risiken! Entsprechend dem Risikoverhältnis erwarte ich bei diesen realen Risiken eine mindestens 100-mal aufwändigere und aggressivere Kampagne verglichen mit dem Kampf gegen Radioaktivität/KKWs. 
    Die heute weit verbreitete, extreme Verzerrung der Risikowahrnehmung bei den radioaktiven Strahlen (man vergleicht nicht mit anderen Risiken) hat zu unsinnig tiefen Grenzwerten geführt, tiefer als die natürliche Strahlung! Diese wiederum verursachten so unnötige, menschenverachtenden Massnahmen wie Evakuierungen von Menschen aus ländlichen Gebieten mit kleiner Luftverschmutzung (Fukushima, Tschernobyl) in solche mit hoher. Die Luftverschmutzung, gerechnet mit den allgemein anerkannten Risikofaktoren, wirkt viel schlimmer als die Strahlung (gerechnet mit offiziellen Risikofaktoren). Dieses Problem ist den Wissenschaftler schon lange bekannt, siehe z.B.: https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2458-7-49. 

  3. Walter Rüegg

    Sehr schöner Überblick, gut formuliert, danke Martin.

    Als Ergänzung zur Sicherheit des “Schrottreaktors” in Beznau:
    Grosse Mengen radioaktiver Substanzen wären in Fukushima nicht ausgetreten wenn eine oder mehrere der folgenden Barrieren existiert und gehalten hätten:
     
    1. 20m-Tsumami-Schutzmauer (heute in Japan bei den gefährdeten KKW nachgerüstet). Oder Kraftwerk in mindestens 20 m über Meer gebaut. Beznau: Entsprechender Schutz gegenüber einem Superhochwasser. Versagt diese Barriere, besteht die Gefahr, dass die normale Kühlung ausfällt. Tritt dies ein (auch aus anderen Gründen möglich) so muss die nächste Barriere halten:
    2. Zwei redundante, schwer verbunkerte, überflutungs- und flugzeugabsturzsichere Notstände mit Notstromdiesel, eigener Wasserfassung, eigene Kühlsysteme und eigener Stromverteilung. Versagt auch diese Barriere:
    3. Sofort verfügbare zusätzliche erdbeben- und überflutungssichere Notgeneratoren (SAM-Generatoren). Fallen auch diese aus droht ein in wenigen Stunden eine Kernschmelze. Um dies zu verhindern gilt es, mit normalen Feuerwehrpumpen zu kühlen, dazu muss der Druck im Reaktorgefäss reduziert werden:
    4. Gut gefilterte Druckablassung (allfällige Radioaktivität wird zurückgehalten), auch rein manuell durchführbar und parallel mit Berstscheibe automatisch ausgelöst. Zu hoher Druck kann auch mechanische Strukturen beschädigen und so Lecks erzeugen (wie in Fukushima).
    5. Anschliessend kann mit Feuerwehrpumpen an verschiedenen vorbereiteten Anschlüssen Wasser eingeleitet werden, aus einem Wasserreservoir, aus dem Grundwasser, aus einem Fluss (Aare) oder im Notfall aus dem Meer (Fukushima). 10 l/s genügen um eine Kernschmelze zu verhindern, jede Feuerwehrpumpe kann das. Nach einem Tag genügen 2 l/s. Zur Not kann auch das gesamte Containment unter Wasser gesetzt werden. Falls dies auch nicht funktioniert (z.B.: Eine Terroristenarme erschiessen alle Schutz- und Einsatzkräfte und holt die Helikopter mit zusätzlichem Notmaterial vom Himmel), kann es zu einer Kernschmelze mit Wasserstofferzeugung kommen. Immer noch nicht gefährlich für die Umgebung. Erst bei einer Wasserstoffexplosion könnte es kritisch werden.
    6. Um eine Wasserstoffexplosion zu verhindern, müssen passive Wasserstoffrekombinatoren und/oder aktive Zünder vorhanden sein. Explosionen können Strukturen undicht machen. In Fukushima sind nach den Wasserstoffexplosionen grosse Mengen Fallout ausgetreten. Falls diese Mittel versagen (nicht so einfach, ohne die Naturgesetzt zu verletzen):
    7. Ein modernes Containment hält eine Wasserstoffexplosion aus (wie 1979 geschehen, nach der Kernschmelze in Three Mile Island), falls nicht: Das Containment kann undicht werden, grössere Mengen Radioaktivität können in die Umwelt entweichen.

    Zusätzliche redundante, schwer verbunkerte Notkontrollräume mit eigener Instrumentierung/Batterien verhindern bei einem «Station Blackout» einen Blindflug. Dieser erwies sich in Fukushima als tragisch und trug massgeblich zur Verzögerung der Einleitung von Meerwasser bei (TEPCO verdrängte die Gefahr einer Kernschmelze). Eine solche Prozedur benötigt auch klare Pläne, Kompetenzen und muss geübt werden. Übrigens: In Fukushima mussten sich zwei Reaktoren einen normalen Kontrollraum teilen.
    Im Gegensatz zu Fukushima ist Beznau, dank Nachrüstungen in Milliardenhöhe, mit all diesen oben erwähnten Barrieren ausgerüstet, grösstenteils schon seit den 90er-Jahren.

  4. Guntram Rehsche

    Ist das die neue Masche der Atombefürworter, dass sie Zuschriften zur Sache einfach unterdrücken? Hier zur Erinnerung:
    Blog C-C und Schlumpf: Das ist zweifellos dicke Post von Herrn Schlumpf – und sie stellt jede Glaubwürdigkeit seiner sonstigen Aussagen zur Solarenergie vollends in Frage. Ich gebe gern zu, dass ich nicht Spezialist für die Folgen der bislang geschehenen Atomkatastrophen bin. Aber schon eine einigermassen breite Recherche zu Tschernobyl im Internet ergibt folgendes zur Frage der Folgen dieses einzelnen Ereignisses:

    – Google: Das wissenschaftliche Komitee für Auswirkungen radioaktiver Strahlung der UNO (UNSCEAR) nennt 31 unmittelbare zivile Todesopfer, die bei den Löscharbeiten starben. Mehrere Tausend Kinder erkrankten an Schilddrüsenkrebs, wovon 15 starben. Schwer einschätzbar ist, wie viele Opfer daneben in der Armee zu beklagen sind.

    – Selbst die brancheneigene Site kernenergie.ch hält fest (https://www.kernenergie.ch/de/tschernobyl-_content—1–1105.html): Über 400’000 Einsatzkräfte aus der Betriebsmannschaft, der Feuerwehr und der Armee waren für die Bewältigung des Unfalls im Einsatz, viele davon unter schlechten Strahlenschutzbedingungen. Das wissenschaftliche Komitee für Auswirkungen radioaktiver Strahlung der UNO (UNSCEAR) nennt 31 unmittelbare zivile Todesopfer, die bei den Löscharbeiten starben. Mehrere Tausend Kinder erkrankten an Schilddrüsenkrebs, wovon 15 starben. Schwer einschätzbar ist, wie viele Opfer daneben in der Armee zu beklagen sind. Fachleute schätzen für die kommenden Jahrzehnte mehrere Tausend weitere Todesfälle, die mit dem Unfall in Tschernobyl zusammenhängen dürften. Dazu kommen grosse psychische und soziale Belastungen, denen die betroffene Bevölkerung im Nachgang der Katastrophe ausgesetzt war. Rund 135’000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Die 4000 Quadratkilometer grosse Sperrzone um Tschernobyl wird noch lange Zeit bestehen.

    – Im Deutschlandfunkt hiess es 2011: Hat Tschernobyl 4000 Todesopfer gefordert, wie offiziell angegeben, oder sogar Hunderttausende? Tenor der Tagung der Gesellschaft für Strahlenschutz war: Das wahre Ausmaß der Katastrophe wird von internationalen Gremien vertuscht. Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/mediziner-vermuten-1-4-millionen-tote-als-tschernobyl-folge-100.html

    Und in der Schweiz? Selbst der Bund hielt in «Tschernobyl – 30 Jahre danach» fest (https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesundheit/strahlung-radioaktivitaet-schall/radiologische-ereignisse-notfallvorsorge/freisetzung-von-radioaktivitaet/tschernobyl.html ): Gemäss diesem Ansatz, ist (allein) in der Schweiz als Folge des Unfalles von 200 zusätzlichen Todesfällen durch Krebs auszugehen.

    – Empfehlenswert schliesslich der Bericht der gewiss nicht verdächtigen Welt von 2011, in dem es unter anderem heisst: Wahre Zahl der Tschernobyl Opfer bleibt im Dunkeln). Woher also weiss Herr Schlumpf, dass die Folgen der Atomkraft nicht doch gravierender sind als von ihm behauptet? Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/article13152758/Wahre-Zahl-der-Tschernobyl-Opfer-bleibt-im-Dunkeln.html

  5. Simon Aegerter

    Danke, Martin für diese Zusammenstellung! Mein einziger Einwand: Ich glaube, die Todesrate der Wasserkraft wird unterschätzt. Es gab in der Vergangenheit viele Unfälle mit zum Teil tausenden von Toten. Man erinnere sich an Vajont/Longarone im Veneto 1963 mit über 2000 Toten. Ganz zu schweigen von Ban Qiao in China 1975 mit wahrscheinlich über 100’000 Toten. Ich erwähne das, weil wir immer hören, man könne die Haftpflicht von Kernkraftwerken nicht versichern. Kann man bei Staudämmen auch nicht,

  6. Guntram Rehsche

    Das ist zweifellos dicke Post von Herrn Schlumpf – und sie stellt jede Glaubwürdigkeit seiner sonstigen Aussagen zur Solarenergie vollends in Frage. Ich gebe gern zu, dass ich nicht Spezialist für die Folgen der bislang geschehenen Atomkatastrophen bin. Aber schon eine einigermassen breite Recherche zu Tschernobyl im Internet ergibt folgendes zur Frage der Folgen dieses einzelnen Ereignisses:

    – Google: Das wissenschaftliche Komitee für Auswirkungen radioaktiver Strahlung der UNO (UNSCEAR) nennt 31 unmittelbare zivile Todesopfer, die bei den Löscharbeiten starben. Mehrere Tausend Kinder erkrankten an Schilddrüsenkrebs, wovon 15 starben. Schwer einschätzbar ist, wie viele Opfer daneben in der Armee zu beklagen sind.

    – Selbst die brancheneigene Site kernenergie.ch hält fest (https://www.kernenergie.ch/de/tschernobyl-_content—1–1105.html): Über 400’000 Einsatzkräfte aus der Betriebsmannschaft, der Feuerwehr und der Armee waren für die Bewältigung des Unfalls im Einsatz, viele davon unter schlechten Strahlenschutzbedingungen. Das wissenschaftliche Komitee für Auswirkungen radioaktiver Strahlung der UNO (UNSCEAR) nennt 31 unmittelbare zivile Todesopfer, die bei den Löscharbeiten starben. Mehrere Tausend Kinder erkrankten an Schilddrüsenkrebs, wovon 15 starben. Schwer einschätzbar ist, wie viele Opfer daneben in der Armee zu beklagen sind. Fachleute schätzen für die kommenden Jahrzehnte mehrere Tausend weitere Todesfälle, die mit dem Unfall in Tschernobyl zusammenhängen dürften. Dazu kommen grosse psychische und soziale Belastungen, denen die betroffene Bevölkerung im Nachgang der Katastrophe ausgesetzt war. Rund 135’000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Die 4000 Quadratkilometer grosse Sperrzone um Tschernobyl wird noch lange Zeit bestehen.

    – Im Deutschlandfunkt hiess es 2011: Hat Tschernobyl 4000 Todesopfer gefordert, wie offiziell angegeben, oder sogar Hunderttausende? Tenor der Tagung der Gesellschaft für Strahlenschutz war: Das wahre Ausmaß der Katastrophe wird von internationalen Gremien vertuscht. Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/mediziner-vermuten-1-4-millionen-tote-als-tschernobyl-folge-100.html

    Und in der Schweiz? Selbst der Bund hielt in «Tschernobyl – 30 Jahre danach» fest (https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesundheit/strahlung-radioaktivitaet-schall/radiologische-ereignisse-notfallvorsorge/freisetzung-von-radioaktivitaet/tschernobyl.html ): Gemäss diesem Ansatz, ist (allein) in der Schweiz als Folge des Unfalles von 200 zusätzlichen Todesfällen durch Krebs auszugehen.

    – Empfehlenswert schliesslich der Bericht der gewiss nicht verdächtigen Welt von 2011, in dem es unter anderem heisst: Wahre Zahl der Tschernobyl Opfer bleibt im Dunkeln). Woher also weiss Herr Schlumpf, dass die Folgen der Atomkraft nicht doch gravierender sind als von ihm behauptet? Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/article13152758/Wahre-Zahl-der-Tschernobyl-Opfer-bleibt-im-Dunkeln.html

  7. Arturo Romer

    Martin Schlumpf hat einen ausgezeichneten, wichtigen, konstruktiven, seriösen und gut dokumentierten Artikel geschrieben. Ein grosses Kompliment. Ich erlaube mir, als Leser noch einige Bemerkungen zu machen:
    1. Es gibt keine Lebensqualität mit Nullrisiko und zum Nulltarif. Das zeigt auch die Graphik von Martin Schlumpf.
    2. Die Ursache der Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl war nicht die Schwäche der Kernenergie, sondern ein unverantwortliches menschliches Experiment im Rahmen der Steuerung des Reaktors. Keine Behörde hätte ein solch gefährliches und risikoreiches Experiment erlauben dürfen.
    3. Die Katastrophe von Fukushima wurde durch einen gewaltigen Tsunami verursacht. Mehr als 15’000 Menschen sind wegen des Hochwassers des Tsunami gestorben. Es kam jedoch zu mehreren lokalen Kernschmelzen im Rahmen der 6 Reaktoren. Verantwortlich für diese Kernschmelzen war die Besitzerin der Anlagen (die TEPCO). Die TEPCO wusste schon viele Jahre vor dem katastrophalen Tsunami, dass die Schutzmauer der Reaktoren eindeutig zu tief war (5.7 m). Die TEPCO wurde auch von Spezialisten gewarnt. Notwendig wäre eine Reaktoren-Schutzmauer von mindestens 20 m gewesen. Doch die TEPCO hat strafbar mit Geld spekuliert. Seit vielen Jahrhunderten gab es in der Region von Fukushima wiederholt sehr hohe Tsunamis.
    4. Ich möchte nicht den Eindruck geben, dass ich den Kernreaktoren und der Kernenergie ein Nullrisiko zuschreibe. Absolut nicht. Kernreaktoren sind sehr komplexe Anlagen und setzen deshalb höchste Sicherheitsmassnahmen und höchste Kompetenzen voraus. Diese Massnahmen werden z.B. in der Schweiz dauernd verbessert. Eine gute Nachricht: Reaktoren der Generation IV werden in Sachen Sicherheit (im Vergleich mit den heutigen Reaktoren der Generation II ) gewaltige Fortschritte machen. Das Risiko wird um Zehnerpotenzen reduziert werden. Die Pläne sind in vielen Nationen bereit.
    5. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 hat man in der Schweiz die Tsunami-Katastrophe von Fukushima buchstäblich missbraucht. Ziel: Verteufelung der Kernenergie. Aus der Tsunami-Katastrophe wurde eine Kernenergie-Katastrophe gemacht. Den Schweizerinnen und den Schweizern hat man zu glauben gegeben, es wären mehr als 15’000 Menschen wegen Radioaktivität/Kernenergie gestorben. Die Ursache der Tragödie war eindeutig das Hochwasser des Tsunami. Niemand ist wegen Radioaktivität gestorben.
    6. Ich bin überzeugt, dass die Menschheit langfristig effizient erneuerbare Energien und sichere Kernenergie einsetzen wird. Beides! Dazu braucht es noch viel Wissen, viel Forschung und viel Entwicklung.

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