Energie

Kernkraftwerkstrom durch Wind und Sonne ersetzen?

Mit Kernkraftwerken (KKW) wird Bandenergie erzeugt, d.h. Tag und Nacht und übers Jahr verteilt wird immer in etwa gleich viel Strom erzeugt. Diese Produktion ist also bedarfsgerecht, d.h. sie steht dann zur Verfügung, wenn sie benötigt wird.
Photovoltaik (PV)- und Windanlagen dagegen produzieren nur temporär Strom („Flatterstrom“), nur dann wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst. Diese Produktion ist also nicht bedarfsgerecht, weil sie oft dann zur Verfügung steht, wenn sie nicht gebraucht wird, oder schlimmer noch, weil sie nicht zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird.

Entscheidend ist nun, dass von der Bedarfsseite her im Winter mehr Strom benötigt wird als im Sommer. Im fünfjährigen Mittel von 2008-13 wurde im Winter in der Schweiz 54.7% des Ganzjahresverbrauchs benötigt. Dabei ist die Schweiz seit mehreren Jahren breits heute in dieser Zeit von importiertem Strom abhängig.

Die Schweizer KKW folgen diesem Bedarf auch in dieser Dimension, in dem sie ebenfalls im fünfjährigen Mittel von 2008-13 im Winter 55.9% ihrer Gesamtjahresproduktion bereitstellen. Mit andern Worten: Dem Mehrverbrauch der Konsumenten im Winter entspricht die Mehrproduktion der KKW. Dies ist möglich, weil die notwendigen jährlichen Revisionen, die einen Produktionsunterbruch verursachen, im Sommer gemacht werden.
Für PV- und Windproduktion liegen keine statistischen Zahlen für die Schweiz vor. Klar ist jedoch, dass die PV-Produktion im Winter wesentlich kleiner ist als im Sommer. Insgesamt also verschärft sich bei dieser Produktionsform die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage im Winterhalbjahr drastisch: Einem Mehrverbrauch steht eine deutliche Minderproduktion gegenüber.

Aber auch statistische Angaben zur kritischen Winterproduktion als Ganzes zeigen noch immer nicht in aller Deutlichkeit die gewaltige Problematik des Ersatzes von KKW-Strom durch PV- und Wind-Strom. Erst wenn man sich den tatsächlichen Produktionsverlauf in einem Zeitraster von Minuten anschaut, sieht man, dass an windstillen, wolkenverhangenen Wintertagen von diesen Anlagen fast kein Strom mehr erzeugt wird. In Statistiken deutscher Wind- und PV-Anlagen fällt die Tagesproduktion in Extremfällen auf unter 1% des Tagesbedarfs! Und dies wohlverstanden bei einer installierten Gesamtleistung von 67’600 MW (Ende Oktober 2013), verglichen mit 816 MW in der Schweiz. Obwohl in Deutschland also 83 mal mehr Leistung installiert war, fiel deren Produktion an kritischen Wintertagen in den einstelligen Prozentbereich des Tagesbedarfs. Die wesentliche Erkenntnis daraus ist: Auch ein massiver Ausbau dieser Anlagen verhindert nicht, dass zeitweise fast keine Produktion zu erwarten ist.

In solchen Situationen gibt es dann nur noch vier mögliche Auswege: entweder werden kurzfristig sog. Schattenkraftwerke in Betrieb genommen (in Deutschland aus preislichen Gründen vor allem Kohlekraftwerke), oder man importiert Strom (wenn solcher noch angeboten wird), oder man kann Überschussstrom aus früheren Zeiten speichern (erst sehr bedingt möglich), oder man rationiert den Verbrauch.

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