Energie Klima

Unser Wohlstand beruht auf fossiler Energie

Dieser Beitrag ist auch im Blog des Carnot-Cournot-Netzwerks erschienen

Bei einer in der NZZ geführten Debatte um die Gletscherinitiative des Vereins „Klimaschutz Schweiz“ geht es zentral um die Frage, ob ein vollständiger Ausstieg aus den fossilen Energien in der Schweiz bis 2050 nötig und machbar sei. Die Forderung der totalen Dekarbonisierung, wie sie in der Initiative erhoben wird, übernimmt bekanntlich die Empfehlungen des Weltklimarates, insbesondere die Zielsetzungen des Pariser Abkommens von 2015. Bei der Verfolgung solcher Kontroversen, erstaunt es mich immer wieder, dass darin kaum reale Erfahrungen reflektiert werden, die wir seit Beginn der Diskussion um die Substitution fossiler Energie gemacht haben.

Schon 1977 hat A.B. Lovins in seinem Buch „Die sanfte Energie“ den Weg alternativer Energiestrategien beschrieben, in direktem Reflex auf die erste Ölkrise. Global institutionalisiert wurde diese Forderung 1992 in der in Rio unterzeichneten UNO-Klimakonvention, jetzt unter dem Banner des Klimaschutzes. Das Ziel dieser Konvention, die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen, wurde 1997 mit dem Kyoto-Protokoll völkerrechtlich verbindlich festgesetzt. Und seit 1995 wird dieses Thema an jährlich stattfindenden Klimakonferenzen mit grossem internationalem Echo weiter verfolgt. Aber eben, wo stehen wir heute faktisch auf dem Weg des Ausstiegs aus den fossilen Energien?

Ich fasse die heutige weltweite Realität in drei Punkten zusammen (basierend auf „BP Statistical Review“ 2018):
– Der Gesamtenergieverbrauch steigt seit Jahrzehnten praktisch ungebrochen an.
– Der Anteil der fossilen Energieträger beträgt heute immer noch 85%.
– Solar- und Wind-Energie tragen 2.6% bei.

Keine der vielen Warnungen, eine stark wachsende Weltbevölkerung könne bald nicht mehr mit genügend Energie versorgt werden, ist eingetreten. Im Gegenteil: Wir verfügen heute pro Kopf im Durchschnitt über etwa zwei Drittel mehr Energie als vor 50 Jahren! Diese Entwicklung hat den Grundstein gelegt für eine aussergewöhnliche Steigerung von Wohlstand, Lebenserwartung und Gesundheit, die in der Menschheitsgeschichte ohne Parallele ist.

Dieser Wohlstand beruht aber immer noch sehr weitgehend auf fossiler Energie. Dabei zeigt sich, dass der Anteil von Öl, Kohle und Gas trotz über 20-jähriger Klimapolitik längere Zeit auf einem stabilen Niveau von 87% verharrt und erst in den letzten fünf Jahren auf die heutigen 85% marginal gesunken ist. Aber sogar in dieser jüngsten Vergangenheit, seit 2012, wurde zweieinhalb Mal mehr fossile Energie neu zugebaut als Solar und Wind. Warum das so ist, zeigt eindrücklich das Beispiel China.

In den letzten zwanzig Jahren hat China allein knapp die Hälfte der weltweit zusätzlich konsumierten Energie verbraucht. Dieses gigantische chinesische Wachstum, das bis 2011 fast nur mit Kohle bestritten wurde, hat sich erst vor vier Jahren diversifiziert. Dabei liegt der interne Anteil der Fossilen noch heute über dem Weltdurchschnitt. Man muss es zur Kenntnis nehmen: China hat mit der einzigen ihm zur Verfügung stehenden fossilen Energieoption, nämlich Kohle, etwas erreicht, was ebenfalls beispiellos ist: Das Herausführen von vielen Millionen Menschen aus bitterster Armut aus eigener Kraft.

Aber damit ist das Bild von China noch nicht fertig gezeichnet. Erst in jüngster Zeit ist dort auch der grösste Boom an neuen Erneuerbaren losgegangen. Deutschland, das weltweit zuerst in Wind und Solar in grösserem Mass investiert hat, ist in den letzten sieben Jahren sowohl von den USA als auch von China überholt worden. Heute steht China in beiden Bereichen auch hier vor den USA an der Spitze. Dabei gilt es zu bedenken, dass Wind und Solar mit ihrem Weltanteil von 2.6% bisher erst eine energiepolitische Randnotiz sind. Und dies trotz fantastischen Ausbauraten in den wenigen Ländern, die reich genug sind, in eine solch unzuverlässige und vorderhand teure Energieform in grösserem Massstab zu investieren.

Die weitgehend gescheiterte Energiewende in Deutschland – gewaltige Kosten, höchste Energie-Konsumentenpreise, Verzerrung des Strommarktes, volatile Produktion, die Ersatzkraftwerke erfordert, bei praktisch keinem Umweltnutzen – zeigt deutlich, dass Wind und Solar vorderhand in grossem Massstab keine Alternative zu den fossilen Energien darstellen. Dies erhält eine zusätzliche Brisanz durch das Faktum, dass sowohl Indien, als vor allem auch Afrika, in dem in Zukunft das grösste Bevölkerungswachstum stattfinden wird, noch sehr weit von Energiestandards entfernt sind, die für eine Mehrheit von Menschen bescheidenen Wohlstand bedeuten.

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