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Weniger Todesfälle und Schäden bei Naturkatastrophen

Originalpublikation in der Weltwoche Nr. 29 vom 22. Juli 2021

Weniger Todesfälle und Schäden

Klimaaktivisten behaupten, die Unwetter würden häufiger und schlimmer. Die Daten widerlegen solche Behauptungen.

Meldungen über die schadenreichen Überschwemmungsfolgen machen betreten: vielerorts ist jetzt Hilfe nötig. Derweil darf aber die Einordnung der Ereignisse nicht dem rot-grünen Lager  überlassen bleiben, das für die heftigen Regenfälle sofort den Klimawandel als Ursache sieht und das für Propaganda nutzt. Wetter ist nicht Klima. Wetterereignisse sind chaotisch in ihrer Stärke und ihrem Auftreten, Klima aber ist vom Weltklimarat definiert als «Durchschnittswetter über 30 Jahre», also Zusammenfassungen von Wetterdaten über Jahrzehnte. Auf die Gegenwart bezogen, sind drei Fragen zu beantworten: Häufen sich die Unwetter? Gibt es mehr Todesopfer? Nehmen die materiellen Schäden zu? Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat diese Fragen mehrmals öffentlich bejaht.

Um gut die Hälfte abgenommen

Statistische Antworten findet man in Publikationen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Den ersten beiden Fragen gilt eine Studie von 2017: «Todesfälle durch Naturgefahrenprozesse in der Schweiz von 1946 bis 2015». Unter Naturgefahrenprozessen verstehen die Forscher Hochwasser, Rutschungen, Murgänge, Felsstürze, Windstürme, Blitzschläge, Lawinen und weitere Prozesse – ausser Hitzewellen alles, was durch die Klimaerwärmung beeinflusst werden könnte. Die siebzigjährige Beobachtungsperiode, die mit den ersten aufgezeichneten Daten beginnt, ermöglicht klimabezogen relevante Aussagen.

Für den gesamten Zeitraum wird ein Total von 1’023 Todesfällen ausgewiesen, im Durchschnitt also 15 pro Jahr. Das entspricht 0.025 Prozent aller Todesfälle in der Schweiz oder zwei bis drei Tote pro Million Einwohner. Das Risiko bei einem Autounfall zu sterben, beträgt das Sechzigfache.

Ist über die Zeit hinweg ein steigender Trend erkennbar? Im Gegenteil. Die Forscher teilten den Betrachtungszeitraum in zwei Hälften: In der ersten gab es 747, in der zweiten 276 Todesfälle. Das wörtliche Fazit der Studie: «Die Verteilung der Todesfälle von 1946 bis 2015 zeigt einen statistisch signifikanten Rückgang über die Zeit.» Auch die folgenden Schadensberichte bis 2019 ändern nichts an diesem Trend. Und aus den Tabellen der Studie lässt sich herauslesen, dass auch die Zahl der Naturkatastrophen um gut die Hälfte abgenommen hat.

Sommaruga sieht es anders

Aber steigen – angesichts des gestiegenen Wohlstands – eventuell die materiellen Schäden? Die Antwort auf diese dritte Frage gibt eine «Unwetterschadens-Datenbank», ebenfalls aus dem WSL, in der seit 1972 die jährlichen Schäden aus Hochwasser, Murgängen, Rutschungen und Sturzprozessen gesammelt werden. Eine Studie, die für den Zeitraum von 1972 bis 2019 vergleichbar gemachte Kosten ausweist, kommt zum Schluss, dass es zwar keinen wissenschaftlich signifikanten Trend gibt, dass aber alle drei untersuchten Szenarien leicht absteigende Mittelwertsgeraden zeigen.

Damit sind alle drei oben gestellten Fragen beantwortet – ganz anders, als dies von Frau Sommaruga zu hören ist. Auf meine Anfrage an die Bundesrätin zu dieser Diskrepanz kam zuerst die Kritik, mein Betrachtungshorizont sei zu kurz für meine Folgerungen. Wenn dem aber so wäre – dann gälte das genauso auch für ihre Behauptungen, in den jüngsten Wettervorfällen liege ein Trend zur Verschlimmerung.

Meine Zusammenfassung der Studien mit den Worten: «Die Anzahl der Ereignisse und der Todesopfer von Naturgefahrenprozessen ist in den letzten 70 Jahren zurückgegangen. Sogar die davon verursachten nominell gestiegenen Schäden, entpuppen sich normalisiert als abnehmend.» wies das Bundesamtes für Umwelt wie folgt zurück: «Beide Aussagen sind falsch, weil sie einen Trend darstellen, der nicht aus der Todesfallstatistik und der Unwetterschaden-Datenbank abgelesen werden kann.»

Damit stellt sich das Amt aber gegen seine bundeseigenen Studienresultate. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Zunehmende negative Folgen sind in den Zahlen nicht erkennbar, aber da ignorieren die Klimaaktivisten die Wissenschaft.

2 Kommentare zu “Weniger Todesfälle und Schäden bei Naturkatastrophen

  1. Werner Plüss

    Leider hat Max Amstutz recht. Unheimlich, dieses Klimaideologie besottete Bundesamt von BR Sommaruga. Es scheint jedes logische Argument perlt ab. Diese Funktionäre, von uns steuerberappt, reagieren wie Zombies, fix wired, ja nicht abweichen von ‚his master’s voice‘ an der ETH.
    Dabei hätten sie Dringenderes zu tun. Es dämmert langsam auch den faktenresistentesten Wind- und Sonnenstrom Anbetern, dass sie mit ihrer Energietraumwandlerei an die Wand fahren, dass unser gewaltiger Stromimport, wenn Deutschland bald dasselbe tun muss, nicht mehr möglich sein wird. Auch das beste Abkommen generiert keinen Strom wenn in Europa Dunkelflaute. Doch anstatt schnellstens solide Lösungen zu planen, machen Sommaruga und ihre Claque sträflich auf Kopf-in-den-Sand, verludern unsere Versorgungssicherheit. Absetzen, wenn wir das könnten, in unserer doch nicht so ganz direkten Demokratie…

  2. Max D. Amstutz, 1268 Begnins und 1260 Nyon.

    Als exekutives politisches Führungsgremium der Schweiz ist der heutige Bundesrat heterogen und schwach und kann sich nie auf eine klare Entscheidung einigen. Das sah man erneut sehr deutlich bei der Frage des Rahmenvertrages mit der EU. Diese Führungsschwäche führt dazu, dass jeder Bundesrat seinen eigenen Bereich vertritt. In dieser Hinsicht sind Politikerinnen wie Frau BR Sommeruga, die eine Ideologie der Klimaerwärmung ohne Rücksicht auf nachweisbare Fakten vertreten, sehr gefährlich. Solange sie im Gremium sitzt, wird die Öffentlichkeit nach meiner persönlichen meinung falsch informiert.

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