Der Originalbeitrag ist als „Schlumpfs Grafik 166“ im Online-Nebelspalter vom 12. Januar 2026 zu lesen.
Mein neues Buch «Stromloch im Winter – Scheitert unsere Energiewende?» ist fertig geschrieben. Es wird im Frühjahr 2026 bei Edition Königstuhl erscheinen, im gleichen Verlag wie mein Buch «Atomkraft Das Tabu – Brauchen wir Kernkraftwerke?» von 2023 (siehe hier). Im neuen Werk zeige ich, dass unsere beschlossene Energiestrategie zu einem enormen Winterstromloch führt, das nur mit Kernkraftwerken sicher und kostengünstig gestopft werden kann. Damit wir unsere Stromversorgung gar nicht erst gefährden, stelle ich hier meine Gegenstrategie vor.
Was wichtig ist:
Mit folgender Strategie können wir das Winterstromloch 2050 stopfen:
– Streichen der Subventionen für Solaranlagen, PV-Einspeisestrom verbrauchsgerecht vergüten.
– Die Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke maximal verlängern.
– Das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben und Bewilligungsverfahren für neue KKW vereinfachen.
– Kernkraftwerke subventionieren und eine gewisse Stromabnahme garantieren.
– Projekte für Speicherwasserkraftwerke fördern.
– Wenn nötig Gas-Kombikraftwerke als vorübergehendes Backup planen.
Bis vor kurzem beruhte unsere Stromversorgung auf den Hauptpfeilern Wasserkraft und Kernenergie. Mit den «Energieperspektiven 2050+» haben wir 2017 einer Strategie zugestimmt, die zum Ausstieg aus fossilen Energien und zur Abschaltung unserer Kernkraftwerke bis 2050 führt. Der Strom aus den Kernkraftwerken soll durch Strom aus neuen Erneuerbaren Energien, insbesondere Solarstrom, ersetzt werden.
Energiestrategie führt zu Winterstromloch
Diese Strategie führt zu einem gravierenden Winterproblem. Denn in der kritischen Winterzeit (November bis Februar) liegt der Stromverbrauch 10 Prozent über dem Jahresdurchschnitt, die Wasserkraft erzeugt im Winter aber 13 Prozent weniger als durchschnittlich im Jahr. Diese Winterschwäche der Wasserkraft wird bis heute von den Kernkraftwerken kompensiert, die im Winter 13 Prozent mehr erzeugen als im Jahresschnitt. Wenn nun die Kernkraftwerke durch Solaranlagen ersetzt werden, die im Winter 70 Prozent weniger erzeugen als im Jahresdurchschnitt, reisst das ein enormes Versorgungsloch auf.
Trotz Importen fehlen im Winter 16 Terawattstunden
Unter den Vorgaben der Energieperspektiven 2050+ und unter der Annahme, dass der Stromverbrauch wegen der Dekarbonisierung im Winter um 66 Prozent wächst haben wir im Jahr 2050 ein Winterstromloch von 19 Terawattstunden – das entspricht der Hälfte des dannzumal benötigten Stroms. Wenn wir davon ausgehen, dass wir auch 2050 noch so viel Strom importieren können, wie wir das heute tun, fehlen uns im Winter (November bis Februar) noch immer 16 Terawattstunden. Das ist ein riesiges Stromloch – selbst wenn die Erneuerbaren Energien wie geplant ausgebaut werden.
KKW an der Spitze, PV am Schluss
Von allen Stromerzeugungs- und Speichertechnologien, die ich untersucht habe, sind die Kernkraftwerke die weitaus beste Option, dieses immense Winterloch zu stopfen: Sie brauchen am wenigsten Fläche (und damit Material) und sie sind am kostengünstigsten. Am deutlich schlechtesten schneiden die PV-Anlagen im Mittelland ab – also diejenige Technologie, auf der unsere Energiestrategie hauptsächlich beruht.
Zurück zu Wasserkraft plus Kernenergie
Wir sollten also zu unserem altbewährten System Wasserkraft plus Kernenergie zurückkehren. Mit der Erzeugung von Bandstrom, die damit möglich wird, kann der Grossteil unseres Stromverbrauchs während des ganzen Jahres gedeckt werden. Für die Deckung des Spitzenbedarfs sorgen die regelbaren Wasser-Speicherkraftwerke, die Pumpspeicherwerke und in Zukunft wohl auch kleine Kernreaktoren (SMR).
Zu viele Solaranlagen gefährden das Stromsystem
Damit diese Strategie gelingt, ist es wichtig, dass wir nicht zu viel Solarstrom im System haben. Letztlich ist es eine Frage des Masses: Die heutigen Mengen an PV-Strom sind vom System her sicher noch einigermassen integrierbar. Beschleunigt sich der Ausbau aber, wird die Stromlücke im Winter immer akuter. Würden wir jedoch den PV-Ausbau begrenzen, wären viel weniger Speichermöglichkeiten für den saisonalen Ausgleich nötig, und wir müssten das Netz weniger stark ausbauen.
Für eine sichere Stromversorgung bis 2050 müssen wir also Folgendes tun:

1. Subventionen für PV-Anlagen im Mittelland streichen, Tarife anpassen
Weil zusätzliche PV-Anlagen im Mittelland das Winterstromloch-Problem verschärfen, sollten wir die entsprechenden Subventionen möglichst bald streichen. Das heisst nicht, dass keine neuen PV-Anlagen mehr gebaut werden dürfen, sondern nur, dass sie nicht mit öffentlichen Geldern unterstützt werden sollen.
Zusätzlich müssen wir auch die Vergütungen für Solarstrom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird, möglichst marktkonform gestalten. Wenn also mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, muss die Vergütung klein sein. Wenn die Erzeugung aber nicht ausreicht, um den Verbrauch zu decken, darf sie hoch ausfallen. Eine solch flexible Tarifstruktur fördert die verbrauchsgerechte Erzeugung und wurde auf dieses Jahr zumindest ein kleines Stück weit bereits umgesetzt (siehe hier).
Rechtlich gesehen muss man wahrscheinlich das vor kurzem beschlossene Stromgesetz revidieren, um diese beiden Anforderungen vollständig durchzusetzen. Das wird ziemlich sicher zu einer Volksabstimmung führen. Wegen meinen Forderungen dürfen aber sicher keine bestehenden Abnahmeverträge ausser Kraft gesetzt werden.
2. Lange Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke
Mit einer Verlängerung der Laufzeiten aller bestehenden Kernkraftwerke bis zum sicherheitstechnisch möglichen Maximum gewinnen wir sehr viel wertvollen Winterstrom. Diese Massnahme ist ungleich wirkungsvoller als kleine Retuschen wie der «Runde Tisch Wasserkraft» oder der «Solarexpress». Weil alle unsere Kernkraftwerke längst abgeschrieben sind und vergleichsweise geringe Betriebskosten haben, ist das auch eine sehr kostengünstige Lösung.
Mit Laufzeiten zwischen 70 und 80 Jahren können wir den Strom von Gösgen und Leibstadt über 2050 hinaus im Netz behalten. Das gibt uns Zeit zum Planen von Alternativen.
3. Neubauverbot für Kernkraftwerke eliminieren
Neben dem Problem des Winterstromlochs haben wir bis 2050 auch ein generelles Mengenproblem wegen der zusätzlichen Nachfrage nach Strom. Dieses lösen wir am besten mit neuen Kernkraftwerken. Damit das möglich wird, müssen wir das gesetzliche Verbot von Rahmenbewilligungen für neue Kernkraftwerke streichen. Dies ist das Ziel der hängigen Initiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)», die 2026 im Parlament behandelt wird und danach an die Urne kommt (siehe hier).
4. Bewilligungsverfahren für Kernkraftwerke vereinfachen
Wenn es gelingt, das gesetzliche Rahmenbewilligungsverbot für Kernkraftwerke zu streichen, können neue Kernkraftwerke geplant werden. Weil der Bewilligungsprozess für den Neubau von Kernkraftwerken aber äusserst umfangreich und langwierig ist, sollten wir ihn wo immer möglich vereinfachen – ohne das Mitbestimmungsrecht der Bürger grundsätzlich zu tangieren. Bei den spezifischen Sicherheitsvorschriften für den KKW-Betrieb sollten wir uns an den Standards vergleichbarer Länder orientieren.
5. Kernkraftwerke subventionieren
Die Reaktortypen, die heute zur Verfügung stehen, sind alle sehr leistungsstark und erfüllen hohe Sicherheitsanforderungen. Ihre Anschaffungskosten sind deshalb auch sehr hoch. Entsprechende Langzeitinvestitionen sind aber nur dann attraktiv, wenn der gesetzliche Rahmen zuverlässig und die Marktaussichten gut sind. Aus diesem Grund sollte die öffentliche Hand eine Investitionsgarantie abgeben, die Werke also subventionieren. Zudem sollten wir dafür sorgen, dass der Strom aus diesen Werken über eine gewisse Zeit zu üblichen Bedingungen abgenommen wird.
6. Speicherwasserkraftwerke fördern
Unter den kleineren Schritten, die wir ebenfalls tun sollten, ist der geplante massvolle Ausbau der Wasserkraft am sinnvollsten. Die Erhöhung bestehender Staumauern oder die Errichtung neuer Stauseen würden mehr Strom bringen (Gornerli, Trift, Grimsel). Um dies zu ermöglichen, sollten wir auch hier die Bewilligungsprozesse vereinfachen und beschleunigen.
7. Gas-Kombikraftwerke als Übergangs-Backup
Wegen der langen Bewilligungszeit neuer Kernkraftwerke und anderer Unwägbarkeiten müssen wir Backup-Kapazitäten für den Notfall bereitstellen. Hier sind neue Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke die einzig mögliche Lösung. Vorläufig würden diese zwar mit klimaschädlichem Erdgas laufen, was der Strategie der Energieperspektiven 2050+ widerspricht. Das ist aber nicht allzu schlimm – und zeigt nur, wie unausgegoren die geplante Energiewende ist.
Fazit: Bei der Stromerzeugung gefährdet der Solarstrom unsere Winterversorgung. Diese Versorgung können wir aber mit dem altbewährten System Wasserkraft kombiniert mit Kernenergie wieder herstellen: Dazu braucht es neue Kernkraftwerke. Das ist sicher und kostengünstig und braucht am wenigsten Platz und Material.
Die vorgeschlagenen Massnahmen sind radikal aber richtig, wobei ich die Meinung von Herrn Hüsler bezüglich der Subventionen teile.
Vor ca. 3 Jahren hatten anlässlich einer Abendveranstaltung der Bündner Naturforschenden Gesellschaft drei Nuklearphysiker überschlagsmässig abgeschätzt, dass die heute vorhandenen nuklearen „Abfälle“ in der Schweiz, mit Kernkraftwerken der 4. und 5. Generation für die Deckung des Elektrizitätsbedarfs während ca. 1’000 Jahren ausreichen würden!
Damit dies möglich würde, müsste auch das Wiederaufbereitungsverbot aus dem Kernenergiegesetz (Art. 9) ebenfalls gestrichen werden. – Eine Massnahme mit welcher m.E. Punkt 3 oben ergänzt werden müsste.
Vielen Dank: Die Aufhebung des Wiederaufbereitungsverbots habe ich vergessen. Ja, auch das ist nötig.
Vollkommen richtig, die Wiederaufarbeitung nuklearer Brennstoffe ermöglicht zusammen mit „schnellen“ Reaktoren einen Kreislauf bei der Kernbrennstoffversorgung. Sie ist eine Spitzentechnologie deren Prozesse die OECD-Staaten beherrschen und die nicht zu verbieten ist. Auch wenn wir genügend Uran und Thorium in der Erdrinde vorfinden, müssen wir mit diesen Rohstoffen verantwortlich und sparsam umgehen. Abgebrannte LWR-Brennelemente enthalten noch rund 95% verwertbare Energie und gehören nicht in den Abfall.
Es war schon immer klar, dass die Zauberfeeen Frau Leuthard, Schlumpf und Sommaruga wohl nicht zum Sachverständigenrat punkto CO2-armer Energieproduktion gehört haben. Nicht einmal die studierte Physikerin Merkel gehörte in diesen Club. Man hatte immer den Eindruck, letztere hätte Physik nur bis zum Hebelgesetz studiert… Ja, es ist wichtig, unsere sehr gut gewarteten KKW länger laufen zu lassen, das kürzlich erstellte fossil betriebene Ueberbrückungskraftwerk BIRR muss auf alle Fälle im Moment als Rückfalloption weiter betrieben werden und es hätte nie geschehen dürfen, dass das tip-top funktionierende KKW Mühleberg mutwillig geschlissen wurde, das war eine Kapitalvernichtung vom Gröbsten für den Kanton Bern und letzlich für unser Land. Und wir brauchen neue KKW: unser Land braucht eine sichere und CO2-arme Energieversorgung sonst geht es uns wie Deutschland: es drohen hohe Energiepreise, ja sogar Versorgungsengpässe, so geht unsere hochwertige Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft vor die Hunde. Dieses Szenario sehen wir vor unserer Nase: i Deutschland. So funktioniert grün-rote Ideologie, das können und wollen wir uns nicht zumuten! Der grossmaulige Auftritt von Cedrik Wermuth im TV zeigt auf, wie die Rot-Grünen schon in den Startlöchern stehen, um unsere Energieversorgung zu zerstören.
Es sieht aus als ob Ideologen und massgebende Politiker die 🇨🇭Bevölkerung bei der Vorbereitung der Energiewende in die Irre geführt haben. Mangels besseren Wissens oder durch emotionsgesteuerte Ideologie ist noch nicht geklärt.
– Wer trägt die Verantwortung für dieses Debakel?
Es braucht keine Subventionen. Es braucht bloss die Mitbeteiligung des Staates, am besten durch Mit-Investition. Dann sind die Kapitalkosten tief, und die Investoren stehen Schlange.
Subvention = Hinausgeworfenes Geld ohne Gegenwert
Investition = Miteigentum und damit Beteiligung an der Rendite.