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Peter Bodenmanns Solarrechnung trügt

Der folgende Text ist in der Weltwoche Nr. 39 vom 30. September erschienen

In der Weltwoche Nr. 38 vom 23. September hat Kolumnist Peter Bodenmann das Problem angesprochen, dass die Schweiz im Winter zu wenig Strom aus eigener Produktion hat. Und wie bereits in vielen seiner Kolumnen brachte Bodenmann die Behauptung vor, wir könnten den Strommangel im Winter mit verstärktem Ausbau der Solaranlagen in den Alpen kompensieren. Sein Fazit: «Mit etwas Solar-Grütze in der Birne lässt sich das Stromloch im Winter stopfen.»

Seine Argumentation ist simpel: Wenn wir bifaziale, also zweiseitige Solarzellen in Höhenlagen verwenden, steigern wir den Winteranteil des Solarstroms auf die Hälfte des Gesamtangebots, und damit verschwindet die Winterlücke. Diese Argumentation ist aber nicht zu Ende gedacht. Denn:

– Wir haben schon heute mit den noch laufenden Kernkraftwerken eine Winterlücke, obwohl diese im Winter mehr Strom erzeugen als im Sommer.

– Sogar wenn man die Kernkraftwerke vollständig mit bodenmannschen Solaranlagen ersetzen könnte, würde die Winterlücke also zwangsläufig grösser.

– Heute liefern Solarpanels im Winter durchschnittlich nur um die 27 Prozent ihres gesamten Jahresertrags.

– Da wir Solarstrom nicht ausschliesslich auf den Alpen erzeugen können, liegt der gesamtschweizerische Winteranteil auch mit Bodenmanns Alpen-Investitionen sicher unter 50 Prozent.

– Die «Studie Winterstrom Schweiz» im Auftrag des Bundes hat das minutiös berechnet – unter Einbezug aller möglichen Varianten, auch jener Bodenmanns. Fazit: Der heutige Winteranteil von 27 Prozent kann im optimalen Fall auf 30 Prozent gesteigert werden. Eine Extremvariante, bei der alles technisch Mögliche ausgereizt würde, käme auf 35 Prozent; die Forscher halten diese aber für nicht praktikabel.

– Und schliesslich werden wir in Zukunft noch mehr Strom brauchen als bisher – und das vor allem im Winter.

Wenn man sich nicht mit zu viel Solar-Grütze die Birne vernebeln lässt, ist das Fazit ernüchternd: Auch mit den besten Solaroptimierungen in den Alpen bleibt die Steigerung des Stromertrags im Winter nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein.

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