Der Originalbeitrag ist als „Schlumpfs Grafik 168“ im Online-Nebelspalter vom 15. Februar 2026 zu lesen.
Um das Netto-Null-CO2-Ziel zu erreichen, drängen fast alle Kommentatoren auf einen raschen Ausbau der neuen Erneuerbaren Solar und Wind – so auch ETH-Klimaforscher Reto Knutti kürzlich in einem NZZ-Interview vom 7. Februar 2026: «Aber diese Debatte darf nicht davon ablenken, dass kurzfristig ein Ausbau der Erneuerbaren und der Stromhandel mit Europa höchste Priorität haben.» (siehe hier) Tatsächlich? Machen wir in diesem Zusammenhang einen aktuellen Realitätscheck des Stromsystems Deutschland, das beim Ausbau von Solaranlagen und Windrädern pro Kopf der Bevölkerung hinter Dänemark an der Weltspitze steht.
Was wichtig ist:
– PV-Anlagen haben eine markante Winterschwäche: Im Januar 2026 wurde in Deutschland elfmal weniger Solarstrom erzeugt als Windstrom – und dies bei einer installierten PV-Leistung, die 1,5-mal grösser war als bei den Windrädern.
– Die Arbeitsauslastung der PV-Anlagen lag bei mageren 1,9 Prozent.
– Wegen dem dadurch notwendigen Einsatz von Kohle- und Gaskraftwerken hatte Deutschland im Januar eine der schlechtesten CO2-Emissionsbilanzen Europas.
– Zudem stiegen die Strompreise der deutschen Haushalte schon 2025 auf ein europäisches Rekordhoch.
Eine ausgezeichnete Zusammenstellung der wichtigsten Stromkennzahlen Deutschlands findet man bei Rolf Schuster von vernunftkraft.de (siehe hier). Schuster gelingt es, mit anschaulichen Leistungs-Zeit-Grafiken die Stromeinspeisung der neuen Erneuerbaren anschaulich darzustellen. Die neuesten Zahlen beschreiben die Stromsituation in Deutschland im Januar 2026:

Wind und Sonne decken 43 Prozent des Verbrauchs
Für jede der 744 Stunden des Januar 2026 wird angezeigt, wie gross der Stromverbrauch (braun) in Megawatt (MW) gewesen ist. Im Schnitt waren es rund 60’100 MW. Auf diesem Hintergrund zeigt die Grafik zusätzlich die Stromproduktion von Windrädern (blau) sowie von Solaranlagen (gelb) in gestapelter Form, ebenfalls für jede Stunde dieses Monats. Im Schnitt erreichte diese Erzeugung 25’700 MW: Insgesamt konnten im Januar 2026 also knapp 43 Prozent des Verbrauchs mit den neuen Erneuerbaren gedeckt werden.
Im Minimum nur 5000 MW aus neuen Erneuerbaren
Die gezeigte Leistungs-Zeit-Grafik zeigt aber eindrücklich, wie wenig aufschlussreich eine solche zusammenfassende Aussage ist: Zwischen dem maximalen Ertrag von 56’900 MW am Mittag des 1. Januar und dem Minimum in den frühen Nachtstunden des 6. Januar von 5000 MW liegt eine Schwankungsbreite von über 50’000 MW – Andere Stromquellen (oder Importmöglichkeiten) müssen also imstande sein, solche riesigen Differenzen auszugleichen. Dank relativ zuverlässigen Wettervorhersagen ist das heutzutage möglich, wenn die entsprechenden Backup-Kapazitäten zur Verfügung stehen.
Trotz mehr Leistung wurde elfmal weniger PV- als Windstrom erzeugt
Die Erzeugungsanteile von Wind und Sonne unterscheiden sich aber enorm: Während von den Windkraftanlagen durchschnittlich 23’500 MW kamen, erzeugten die Photovoltaik (PV)-Anlagen im Schnitt nur 2200 MW – das ist fast elfmal weniger. Der Verbrauch wurde also zu 39 Prozent durch Windstrom und nur zu 3,7 Prozent durch Solarstrom gedeckt. Dieses Anteilsverhältnis wird noch prekärer, wenn man bedenkt, dass in diesem Monat rund 77’800 MW Windleistung und 117’900 MW PV-Leistung installiert waren: Trotz einer 1,5-mal grösseren installierten Leistung lieferten die PV-Anlagen elfmal weniger Strom.
PV-Arbeitsauslastung von mageren zwei Prozent
Mit der Arbeitsauslastung einer Stromquelle erfasst man, wie effizient diese ihre Leistung in Strom umsetzen kann. Ende Januar 2026 betrug die Gesamtleistung aller deutschen Wind- und Solaranlagen gut 195’700 MW: Diese Leistung wird angezeigt durch die rote Linie ganz oben in der Grafik. Mit ihrer durchschnittlich erbrachten Leistung von 25’700 MW kamen Wind und Sonne in Deutschland demnach auf eine monatliche Arbeitsauslastung von 13 Prozent. Die Windräder allein setzten ihr Leistungspotenzial aber zu 30 Prozent in Strom um, die Solaranlagen jedoch nur zu äusserst mageren 2 Prozent! Konkret sieht der PV-Input so aus:

Mit einer Gesamtleistung von 117’900 MW (rote Linie oben) schwankten die Tagesspitzenwerte der deutschen PV-Anlagen zwischen 27’800 und 2000 MW, also zwischen 23 und 2 Prozent ihrer Nennleistung. Weil in einem solchen Wintermonat die Solaranlagen aber fast zwei Drittel der Zeit überhaupt keinen Strom liefern, lag ihre Arbeitsauslastung im Januar 2026 bei nur 1,9 Prozent.
Gas- und Kohlekraftwerke müssen einspringen
Die Stromlöcher, die durch eine unstete Windeinspeisung und eine systematisch ausfallende PV-Stromerzeugung aufgerissen werden, müssen im deutschen Stromsystem vor allem durch Gas- und Kohlekraftwerke gedeckt werden. Die nächste Grafik zeigt deren Anteil im Januar 2026:

Die Grafik zeigt, wie stark diese konventionellen Kraftwerke jede Stunde hoch- und niedergefahren werden müssen, um die starken Schwankungen des Grünstroms zu kompensieren. Dass das auch für die Sicherstellung der Netzstabilität eine Herausforderung darstellt, sei nur in Klammer angemerkt. Insgesamt wurden die Spitzenwerte, die bis über 40’000 MW reichten, je rund zur Hälfte von Braun- und Steinkohlekraftwerken (dunkelrot, grau) sowie von Gaskraftwerken (rosa) erzeugt. In der Summe ist der fossile Stromanteil ähnlich hoch wie derjenige aus PV und Wind (die genaue Menge an fossilem Strom ist bei Schuster nicht angegeben).
Kohlenstoffintensität
Was eine solche Stromeinspeisung für das Netto-Null-Ziel zur Folge hat, das Deutschland schon für 2045 anstrebt, kann man aus der nächsten Grafik herauslesen: Sie zeigt die sogenannte Kohlenstoffintensität also wie viele Gramm Treibhausgase pro erzeugter Kilowattstunde Strom emittiert werden:

Auf der Webseite electricitymaps.com (siehe hier) wird für jedes Land der Welt angegeben, wie gross sein Treibhausgas-Ausstoss pro erzeugter Energieeinheit im Moment ist. Ich habe am 13. Februar 2026 um 14 Uhr ein Bildschirmfoto mit einem Ausschnitt europäischer Länder gemacht. Mit einer Farbskala wird die energetische Kohlenstoffintensität pro Land visualisiert. Die Skala reicht von dunkelgrün (Frankreich, bester Wert) über hellgrün (Südschweden), hellgelb (Slowakei), dunkelgelb (Belgien) bis zu hellbraun (Niederlande), mittelbraun (Deutschland) und dunkelbraun (Polen, schlechtester Wert).
Erschreckend hohe Treibhausgas-Emissionen Deutschlands
Für jedes Land wird angegeben, wie viele Gramm CO2-Äquivalent pro erzeugter Kilowattstunde Strom in der aktuellen Stunde ausgestossen werden. In Frankreich waren es 26 Gramm, in der Schweiz 44 Gramm, in Österreich 144 Gramm, in Norditalien 309 Gramm, in Deutschland 463 Gramm und in Polen 633 Gramm. Als «klimafreundliche» Länder kann man also Frankreich, Spanien, die Schweiz und die skandinavischen Länder bezeichnen. «Klimasünder» auf der anderen Seite sind Deutschland, Serbien, Tschechien und vor allem Polen.
Fehler: Stilllegung der Kernkraftwerke
Deutschland ist wegen des starken Ausbaus der neuen Erneuerbaren angeblich ein Vorzeigeland bezüglich Klimaschutz. Doch die Realität punkto Treibhausgas-Emissionen sieht ganz anders aus. Hätte Deutschland aber seine Kernkraftwerke nicht abgestellt, die einmal rund 30 Prozent zur Stromversorgung beitrugen, wäre seine CO2-Bilanz um Welten besser.
Auch eigene Bevölkerung leidet unter Energiewende
Aber nicht nur für das Klima ist die deutsche Energiewende nachteilig, sie schadet auch den eigenen Bürgern, indem sie im Jahr 2025 die höchsten Konsumentenpreise für Strom in Europa hervorgebracht hat:

Gemäss der Webseite Stromauskunft.de (siehe hier) haben Deutschland, Belgien und Dänemark die höchsten durchschnittlichen Haushaltstrompreise in Europa: Mit 0,38 Euro liegt Deutschland 33 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 0,27 Euro.
Fazit: Der starke Ausbau von Wind- und Solaranlagen, wie ihn auch Reto Knutti fordert, führt in Deutschland zu einem Stromsystem, das keineswegs klimafreundlich ist und den eigenen Bürgern erst noch das Geld aus der Tasche zieht. Eine solche Energiewende sollten wir in der Schweiz auf keinen Fall nachmachen.
Prof. Martin Schlumpf hat hier einen ausgezeichneten Artikel geschrieben. Es handelt sich um eine gesamtheitliche Betrachtung der deutschen Elektrizitätsproduktion und des deutschen Elektrizitätsverbrauchs in Monat Januar 2026. Das Resultat demonstriert, wie Ideologien in die Irre und in die Geldverschwendung führen können. Es gibt heute zum Glück auch in Deutschland Leute mit Verstand, welche wieder das Wort “Kernenergie” in den Mund nehmen. Nach meiner Ansicht sollte Deutschland jedoch nicht die alten Reaktoren erneuern, sondern mit Mut Kernreaktoren der Generation IV bauen. Die Schweiz kann von den grossen und teuren Fehlern der deutschen Energiepolitik sehr viel lernen. Auch sie sollte möglichst rasch die Gesetzgebung für den Bau moderner Kernreaktoren neu definieren.
Ich bin der selben Meinung!