Nur die Kernkraft vermag den abzusehenden Strommangel im Winter verlässlich zu beheben. Es ist Zeit, dass sich die Schweiz umorientiert.
Am 15. Juni 2026 ist in der NZZ unter diesem Titel ein Gastbeitrag von mir erschienen.
Leider wurde dabei mein Artikel stark gekürzt und inhaltlich verwässert! Und dies ohne Rücksprache mit mir.
Deshalb folgt hier der originale Text:
Solarstrom passt nicht in unser Stromsystem
Befürworter der Schweizer Energiewende propagieren einen zügigen und starken Ausbau der Photovoltaik. Eine nüchterne physikalische Analyse zeigt jedoch, dass Solarstrom nur sehr schlecht in unser Stromsystem passt. Eine Mehrheit der Photovoltaik-Anhänger verdrängt oder ignoriert diese Tatsache.
In einem Stromsystem muss man vom Verbrauch ausgehen. Dieser schwankt zwar im Tagesverlauf und weist im Winter einen erhöhten Bedarf aus, aber in jeder Sekunde des Jahres muss ein Grundstock an Energie vorhanden sein, den wir konsumieren können: Der Fachbegriff dafür heisst Bandstrom. Ein idealer Stromerzeuger muss also imstande sein, steuerbaren Bandstrom zu produzieren.
Wie gut erfüllt die Wasserkraft, die dominierende Stromquelle der Schweiz, diesen Anspruch? Je nach Kraftwerkstyp in sehr unterschiedlichem Mass. Auf der einen Seite stehen die Laufkraftwerke, deren Erzeugung vom Pegelstand des jeweiligen Flusses abhängig ist. Weil die Pegel im Winter aber tief sind, liegt die Stromerzeugung der Laufwerke in der kalten Jahreszeit nur bei gut der Hälfte dessen, was sie im Sommer an Strom produzieren. Unter Einsatz der steuerbaren Speicherkraftwerke in den Alpen mit ihren Speicherseen kann unsere Wasserkraft die Winterschwäche der Laufkraftwerke jedoch zum Teil ausgleichen. In der Summe erzeugen alle Wasserkraftwerke der Schweiz im Winter 43 Prozent ihrer Jahresproduktion. Einem erhöhten Winterstromverbrauch steht also ein verminderter Wasserertrag in dieser Jahreszeit gegenüber.
Die dadurch entstehende Winterstromlücke wird bei uns momentan noch durch die Kernkraftwerke gefüllt: Sie können im Winter ihre Leistung praktisch zu hundert Prozent in Strom umsetzen und bilden so eine Art von Winterversicherung. Was passiert aber, wenn wir schrittweise aus der Kernenergie aussteigen und diese hauptsächlich mit Photovoltaik-Anlagen ersetzen – wie das unsere Energiestrategie vorsieht?
Es ist mit zwei Folgen zu rechnen: Erstens haben wir mit Solarstrom ein täglich systematisch aussetzendes Einspeiseverhalten. Das ist das genaue Gegenteil einer sicheren Bandstromerzeugung. Und zweitens weist die Stromerzeugung aus Photovoltaik eine massiv stärkere Winterschwäche auf als die Wasserkraft.
Im ertragschwächsten Monat erzeugen die Solaranlagen neunmal weniger Strom als im besten Sommermonat. Zudem sinkt die Arbeitsauslastung im schlechtesten Wintermonat im Schweizer Durchschnitt auf magere zwei Prozent, das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Energie. Das bedeutet rein rechnerisch, dass pro Tag eine halbe Stunde Solarstrom mit voller Leistung erzeugt wird, die übrigen 23,5 Stunden kommt dann nichts mehr – und dies jeden Tag, den ganzen Monat lang.
Die flatterhafte und winterschwache Stromerzeugung aus Photovoltaik führt über die Zeit zu einem massiven Winterstromloch. Wenn wir die Vorgaben der «Energieperspektiven 2050+» umgesetzt haben, wird der Schweiz im Kernwinter 2050 (November bis Februar) rund die Hälfte des Stroms fehlen. Konkret sind es 19 Terawattstunden.
Zum Vergleich: Bisher haben wir in dieser Winterzeit durchschnittlich 3 Terawattstunden Strom importiert – wir müssten also unsere Importkapazitäten um gut das Sechsfache ausbauen. Man muss keine Expertenkommission einberufen, um zum Schluss zu gelangen, dass das völlig unmöglich ist.
Bei allen technologischen Möglichkeiten zusätzlicher inländischer Stromerzeugung zeigt sich aber, dass nur die Kernenergie imstande ist, ein derart grosses Stromloch zuverlässig und kostengünstig zu stopfen. Die beste Option jedoch ist, dieses Loch erst gar nicht in diesem Umfang aufgehen zu lassen.
Dazu müssten wir Folgendes tun: Erstens, die Subventionen für PV-Anlagen im Mittelland streichen. Zweitens, unsere bestehenden Kernkraftwerke so lange laufen zu lassen, wie technisch möglich. Drittens, das Verbot für neue Kernkraftwerke aus dem Gesetz streichen. Viertens, die Planung neuer Kernkraftwerke in Angriff nehmen und dabei Investitionsgarantien für die Finanzierung geben. Und fünftens die schon geplanten Wasserkraftprojekte realisieren.
Mit der in der Schweiz längst bewährten Energiestrategie Wasserkraft plus Kernenergie erhalten wir eine Stromversorgung, die zuverlässig funktioniert, wenig Platz und Material braucht und zudem kostengünstig ist.
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